Jedem sein Blatt

St. Hubertus im "EXTRADIENST", 26.01.2009

extradienst.jpg © red.Größer (...) Zeitungen gibt’s in Österreich vielleicht nicht unbedingt wie Sand am Meer. Wenn man schon das Sprichwort bemühen will, trifft es "zum Saufüttern" schon besser. Kaum eine Organsiation, die ohne hauseigenes Periodikum auskommen zu können scheint. Allein beim Österreichischen Zeitschriften- und Fachmedienverband sind rund 730 Zeitschriften gemeldet. Die meisten, jeweils rund 80, finden sich in den Bereichen Medizin/Gesundheit und Industrie/Handel. Gut bestückt sind auch die Bereiche Wirtschaft, Auto(fahrer), Landwirtschaft und Tourismus/Hotellerie.

Handwerk und Gewerbe wissen sich ebenfalls flächendeckend Gehör zu verschaffen; so etwa Der österreichische Installateur, der Gärtner und Florist, die Fußbekleidungshersteller (Schuh & Lederwaren Revue), die Schweißer (Schweiß- und Prüftechnik), die Tischer (Tischler Journal), die Bäcker (Österreichische Bäckerzeitung), die Trafikanten (Österreichische Trafikanten Zeitung), Die Österreichische Feuerwehr, die Verpackungsbranche (Packaging Austria), die Taxler (Österreichische Taxizeitung), gleich zweifach die Friseure (overhead, Der österreichische Friseur) und Zuckerbäcker (Der neue Konditor, Österreichisches Café Journal), Die Versicherungsmakler, Der Pflanzenarzt, Der Winzer oder Der österreichische Jurist. Darüber hinaus kursieren Medien verschiedenster Interessensgruppen, z. B. des Kameradschaftsbunds (Der Kamerad), Der Mieter oder der Motorradfahrer (Biker in Österreich). Auch die Freunde des Waidwerks sollten sich nicht über Unterversorgung an Information und Unterhaltung beklagen. (...)
Ihr traditionsreichstes Organ St. Hubertus besteht seit 1912, eigentlich sogar noch länger, aber vorher hieß es Halali. Es erscheint monatlich in einer Auflage von 15.000 Stück im Regelfall mit einem Umfang von 56 Seiten im Agrarverlag; ihr Chefredakteur Michael Cosack ist gebürtiger Westfale, in der Landwirtschaft aufgewachsen, seit Jahren mit der Jagd befasst. Nach Österreich hat es ihn simpel deshalb verschlagen, weil St. Hubertus einen Chefredakteur suchte. Jagdrelevante Begebenheiten und Facetten im In- und Ausland, juridische Fragen (etwa Jagd- und Waffenrecht), Neuerungen am Ausrüstungssektor, ein ausführlicher Hundeteil, Biotoppflege und unterhaltsame Geschichten aus Fauna und Flora gehören zu den inhaltlichen Determinanten des Magazins. "Wir müssen uns auch mit einer kritischen nichtjagenden Bevölkerung auseinandersetzen", weiß Cosack. Bisweilen zielt solche Kritik buchstäblich unter die Gürtellinie: Ein Konsument, erbost über die Zusendung von Werbung für St. Hubertus, stellte der Redaktion für den Wiederholungsfall frank und frei die gewaltsame Entfernung der primären Geschlechtsmerkmale in Aussicht.

Solch drastischen Manifesten von Antipathie stehen Lob der Stammleserschaft und der eine oder andere branchenübergreifende journalistische Erfolg gegenüber. Als etwa St. Hubertus aufdeckte, dass ein in Oberösterreich in einem Gatter aufgezogener "Weltrekordhirsch" (42-Ender) nach Bulgarien verkauft und dort als vermeintliches Wildtier von einem nichtsahnenden Jäger erlegt wurde, berichteten auch Der Standard und Spiegel TV. Worauf Cosack außerdem stolz ist: "Wir sind die einzige unabhängige Jagdzeitschrift."
Denn alle anderen Jagdmagazine würden von Landesverbänden herausgegeben und stünden somit im Einflussbereich politischer Interessen.
Autor:
red.
26.01.2009